Erste Hilfe

Erste Hilfe in Betrieben: Wie Sie ausgestattet sein sollten und was Sie wissen sollten

Die Erste Hilfe

  • Was ist Erste Hilfe?
    Zur Ersten Hilfe gehören folgende Hilfeleistungen:
    • die Erstversorgung
    • gegebenenfalls die Verständigung des Rettungsdienstes (Notruf 112)
    • die Betreuung des Verletzten bis professionelle Hilfe eintrifft – am besten ist es, mit diesem zu sprechen, um ihm beizustehen und zu zeigen, dass man für ihn da ist; zugleich vermeidet man eine Bewusstlosigkeit
    • eine Wiederbelebung falls notwendig (30x Herzdruckmassage und 2x Atemspende im Wechsel so lange bis der Rettungsdienst da ist, oder der Verletzte selbstständig wieder zu atmen beginnt).
    • die stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit
    • die Schocklage bei einem Kreislaufschock (Hochlegen der Beine, höher als der Kopf)
    • Aufrichten oder Hochlegen des Oberkörpers bei Atemnot oder Brustschmerzen
  • Erste Hilfe ist wichtig! Man kann nichts falsch machen.
    Die Minuten bis der Rettungsdienst da ist, können entscheidend sein! In dieser Zeit sollte der Verletzte bestmöglich versorgt werden.
    Eine Notsituation überfordert jedoch viele, die aus Unsicherheit lieber gar nicht handeln. Dabei ist Nichtstun, das Schlechteste was Sie tun können. Allein psychologisch ist es für den Verletzten besonders wichtig, sich um diesen zu kümmern! Die Angst, dabei etwas falsch zu machen ist – sofern nach bestem Wissen gehandelt wird – vollkommen unbegründet! Unterlassene Hilfeleistung ist hingegen sogar strafbar.

Ersthelfer, Betriebssanitäter, Betriebsarzt

  • Wie viele Ersthelfer braucht ein Unternehmen?
    Die Anzahl der vorgeschriebenen Ersthelfer orientiert sich an der Anzahl der anwesenden Mitarbeiter. Das bedeutet, dass auch bei Schichtbetrieb und zu Urlaubszeiten ausreichend Ersthelfer anwesend sein müssen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) schreibt folgende Anzahl Ersthelfer je anwesender Mitarbeiter in einem Unternehmen vor (§ 26 Abs. 1):
    • In Betrieben bis zu 20 Mitarbeiter: 1 Ersthelfer
    • In Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeiter:
      • Verwaltungen und Kaufmännische Bereiche: 5 % der Mitarbeiter
      • sonstigen Betriebe: 10 % der Mitarbeiter
    • In Kindertageseinrichtungen: 1 Ersthelfer je Kindergruppe
    • In Hochschulen: 10% der Mitarbeiter
    Werden die Vorschriften nicht erfüllt, sind Bußgelder die Folge. Kann ein Mitarbeiter wegen fehlender Erste-Hilfe-Leistung nicht adäquat versorgt werden und deshalb bleibende gesundheitliche Schäden davontragen, kann es zu einer Anklage mit strafrechtlichen Konsequenzen führen.
  • Wer kann Ersthelfer werden?
    Jeder Arbeitnehmer ohne gravierende gesundheitliche Einschränkungen kann Ersthelfer werden. Besonders sinnvoll ist eine gute Mischung an Männern und Frauen, Führungskräften, Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen sowie ausländischen Mitarbeitern.
  • Wie lange ist ein Erste Hilfe Kurs gültig?
    Ersthelfer müssen ihre Ausbildung alle 2 Jahre mit einem Kurs auffrischen. Die Kursgebühren werden von den Unfallversicherungen wie der Berufsgenossenschaft für Gesundheit und Wohlfahrtspflege (BGW) bezahlt
  • Was ist ein Betriebssanitäter?
    Ein Betriebssanitäter ist ein weitergebildeter Ersthelfer und im Vergleich zum Rettungssanitäter kein Ausbildungsberuf. Der Lehrgang besteht aus zwei Teilen und umfasst insgesamt 95 Stunden. Für den erfolgreichen Abschluss müssen eine theoretische und eine praktische Prüfung absolviert werden. Alle 3 Jahre muss die Ausbildung mit einem Fortbildungskurs aufgefrischt werden.
    Betriebssanitäter dürfen die Erste-Hilfe-Station eines Unternehmens leiten. Bei einem Unfall sind sie für die Ersthilfe des Verletzten zuständig. Im Gegensatz zu betrieblichen Ersthelfern kennen sie nicht nur die grundlegenden Maßnahmen sondern haben auch die nötige Qualifikation verschiedene technische Hilfsmittel und Geräte einzusetzen.
  • Wie viele Betriebssanitäter braucht ein Unternehmen?
    Folgende Unternehmen müssen über mindestens einen Betriebssanitäter verfügen (DGUV Vorschrift 1, § 27)
    • Unternehmen mit mehr als 1500 anwesenden Mitarbeitern
    • Unternehmen mit mehr als 250 anwesenden Mitarbeitern, bei denen die Erst-Hilfe-Versorgung einen besonderen Raum erfordert
    • Baustellen mit mehr als 100 anwesenden Mitarbeitern.
  • Welche Unternehmen benötigen einen Betriebsarzt
    Jedes Unternehmen, das Mitarbeiter beschäftigt, braucht einen Betriebsarzt. Dieser berät das Unternehmen zur Ersten Hilfe-Organisation und -Ausstattung im gesamten Betrieb. Fest angestellt sind Betriebsärzte meist nur in besonders großen Unternehmen, um dann auch bei Arbeitsunfällen direkt ärztliche Erstversorgung zu leisten. Im Regelfall kommt dieser nur hin und wieder in das Unternehmen.

Erste-Hilfe-Einrichtung

  • Erste-Hilfe-Räume
    Betriebe und Unternehmen in gewissen Branchen und ab einer bestimmten Mitarbeiteranzahl müssen einen Erste-Hilfe-Raum mit Ruheraumliegen und Erste-Hilfe-Sets bereitstellen.
    Diese Pflicht gilt nach der DGUV (s. DGUV Vorschrift 1, § 25 Abs. 4) für folgende Betriebe:
    • Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeiter
    • Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeiter, bei denen die Erst-Hilfe-Versorgung einen besonderen Raum erfordert
    • Baustellen mit mehr als 50 Mitarbeiter
  • Notruf-Meldemöglichkeit
    Überall im Unternehmen muss es möglich sein, über ein Telefon, bzw. in größeren oder besonders gefährdeten Firmen auch über spezielle Notrufmelder, einen Notruf absetzen zu können.
  • Erste-Hilfe-Beschilderung
    Erste-Hilfe-Schränke, Notduschen und Augenspüleinrichtungen, Notruftelefone, Betriebsärzte, Defibrillatoren und Krankentragen müssen mit den EU-standardisierten Zeichen beschildert sein.

Erste-Hilfe-Organisation

  • Erste-Hilfe-Aufklärung
    Mindestens einmal pro Jahr muss jeder Mitarbeiter über die Erste-Hilfe-Einrichtungen im Unternehmen sowie die richtigen Maßnahmen bei Unfällen belehrt werden (s. DGUV Vorschrift 1, § 4), das heißt:
    • Zu welcher Hilfe jeder Kollege verpflichtet ist.
    • Ob es Betriebssanitäter oder -ärzte gibt und wer Ersthelfer ist.
    • Wo Erste-Hilfe-Schränke, bzw. -Verbandskästen oder Erste-Hilfe-Räume sind.
    • Wem im Unternehmen der Unfall gemeldet werden muss und wer die Erste-Hilfe-Leistungen dokumentiert.
    • Wie man einen Notruf absetzt und wo es spezielle Notrufmelder gibt.
  • Erste-Hilfe-Dokumentation
    Jeder kleine Unfall, muss dokumentiert und – um eventuell nach Jahren noch als Arbeitsunfall anerkannt zu werden – mindestens fünf Jahre aufbewahrt werden (DGUV Vorschrift 1, § 24 Abs. 6).
    Zur Dokumentation können nachfolgende Unterlagen verwendet werden:
    • das „Verbandbuch“ (früher BGI/GUV-I 511) (s. Abschnitt „Erste-Hilfe-Utensilien“)
    • der „Meldeblock“ (bisher BGI 511-3)
    • der „Dokumentationsbogen für Erste-Hilfe-Leistungen“